7 Min. Lesezeit

Wie können Sie die Kontrolle über Ihre persönlichen Daten zurückgewinnen?
125 Milliarden Dollar – das ist die Schwelle, die der Big-Data-Markt im Jahr 20151 erreichen dürfte. In gigantischen Datenbanken gespeichert, stellen das Internetverhalten und die persönlichen Daten der Internetnutzer eine wahre Geldquelle für Web-Unternehmen dar. Bis vor Kurzem war zwischen Unternehmen und Nutzern weitgehend ein Konsens etabliert: Letztere gaben ihre persönlichen Informationen im Austausch für kostenlose Dienste preis.
Doch seit einiger Zeit lässt sich ein wachsendes Bewusstsein der Internetnutzer beobachten, die versuchen, sich ihre Daten wieder anzueignen. Ein Überblick über die Thematik, den rechtlichen Rahmen und die neuen Dienste: die Vergütung von Privatpersonen durch Unternehmen, die im Bereich der persönlichen Daten Pioniere sind, wie Datacoup in den USA oder YesProfile in Frankreich.
Der digitale Fußabdruck der Internetnutzer
Der digitale Fußabdruck ist die Gesamtheit der Elemente, die jeder Internetnutzer hinterlässt, nachdem er im Internet gesurft hat. Über ein Mobiltelefon, ein Tablet oder einen Computer, durch die Teilnahme an einem Gewinnspiel, die Nutzung einer Kundenkarte oder ganz einfach bei einem Einkauf werden Daten erzeugt. Sie geben Auskunft über das Profil des Internetnutzers, sein Alter, sein Geschlecht, seine Vorlieben, die Art des getätigten Kaufs und seine Verbindungsgewohnheiten. Jede digitale „Spur“ wird so zu einem echten Produkt, das das Interesse zahlreicher Unternehmen weckt.
Das Gewicht von Big Data auf dem Weltmarkt
Die in Echtzeit erfassten und anschließend analysierten persönlichen Daten werden als Big Data oder Massendaten bezeichnet. Sie ermöglichen es, typische Profile zu erstellen, Marketingstrategien zu verfeinern und neue Märkte zu schaffen. Während laut dem Buch von Gilles Babinet weltweit jede Minute rund 15 Millionen SMS, 300 000 Tweets oder 200 Millionen E-Mails versendet werden, lässt sich das schwindelerregende Potenzial von Big Data recht leicht erahnen. Dennoch erfordern all diese Daten Zeit für die Analyse und geeignete Verwaltungsmittel. Im Bewusstsein des Ausmaßes dieser Aufgabe gehörten die amerikanischen Web-Giganten, allen voran Facebook, Google oder Yahoo, zu den Ersten, die sich organisierten. Sie entwickelten verschiedene Technologien, die sich insbesondere auf leistungsstarke Datenbanken, Server und sehr komplexe Speichersysteme wie MongoDB, MapReduce und Memtables stützen.
Aus diesem Grund nutzen diese Unternehmen unter dem Deckmantel, ihre Dienste anzubieten – etwa die Erstellung eines Facebook-Profils, eines Twitter-Kontos oder von Spielen wie Candy Crush, einem Freemium-Modell, das die Facebook-Daten verwertet –, sämtliche zu kommerziellen Zwecken erfassten Daten weiter. Diese Informationen sind so wertvoll, dass sie die Begehrlichkeit mancher Hacker wecken. So räumte die Orange-Gruppe ein, im Jahr 20142 einen Angriff auf ihre Datenbanken erlitten zu haben. Dem französischen Telefonanbieter wurden im Februar 2014 tatsächlich persönliche Daten von nicht weniger als 800 000 seiner Kunden gestohlen. Und dieser Fall ist bei Weitem kein Einzelfall.
Das Big-Data-Geschäft: http://www.usine-digitale.fr/article/infographie-big-data-un-marche-a-100-milliards-de-dollars.N254184
Datenhändler für persönliche Daten: das amerikanische Beispiel
In den USA verkaufen tausende Datenhändler jeden Tag höchst intime Informationen über Millionen von Amerikanern weiter. Dies ist insbesondere bei dem Unternehmen Acxiom, Datenexperte der Fall, das nicht weniger als 1 500 Informationen über nahezu 200 Millionen Personen für sich beansprucht. Diese Daten sind vielfältig. Sie betreffen unter anderem die Religion, das Einkommen, den Beruf, die politische Zugehörigkeit, die familiäre Vorgeschichte, aber auch Alkoholismus, Krankheiten oder die sexuelle Orientierung. Das im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Unternehmen Statlistics bietet wiederum Datenbanken an, die Schwule und Lesben oder auch Menschen segmentieren, die beispielsweise unter bipolaren Störungen leiden. Das Profil der Webnutzer wird immer feiner.
Herkunft der Daten: http://www.orange-business.com/fr/blogs/usages-dentreprise/open-data/infographie-le-cheminement-des-donnees-personnelles
Die Position der CNIL zu diesem Thema
Angesichts solcher Praktiken und im Rahmen ihrer Aufgaben beginnt die französische Datenschutzbehörde CNIL (Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés), gewisse Entgleisungen festzustellen. In ihrem Tätigkeitsbericht 2014 hat die Kommission im Übrigen klar Stellung bezogen, indem sie die öffentlichen Verantwortlichen auf den Gesetzentwurf zu den Nachrichtendiensten und auf die Kontrollen der Dateien hinwies, über die sie eine Kontrolle ausüben möchte. Was diese letzte Forderung betrifft, hat die politische Führung kürzlich ablehnend geantwortet. Die CNIL äußert sich vor dem Hintergrund einer starken Zunahme privater Beschwerden.
Tatsächlich standen im Jahr 2014 von den 11 000 bei ihr eingegangenen Anfragen 39 % im Zusammenhang mit der Online-Reputation. Im Rahmen des Schutzes persönlicher Daten verurteilte die CNIL Google im Januar 2014 zur Zahlung einer Geldstrafe von 150 0003 Euro. Und obwohl diese Strafe symbolisch erscheinen mag, fügt sie sich in einen langwierigen Kampf ein, der den Internetnutzern beweist, dass David sich mit Goliath anlegen kann. Bemerkenswert ist auch die jüngste Stellungnahme des Senats4, die sich dieser Idee anschließt und der Auffassung der Regierung entgegensteht. Die Debatten lassen zahlreiche Wendungen und lebhafte Auseinandersetzungen erahnen.
Vom digitalen Fußabdruck zur Kontrolle über das eigene Profil
In diesem Kontext einer beinahen Wirtschaftsblase rüsten sich die Unternehmen, organisieren sich, und die Internetnutzer werden sich zunehmend des Wertes der Daten bewusst, die sie im Zuge ihrer Streifzüge durch das Web bereitwillig preisgeben. Laut einer im September 2014 von der Havas Media Group France veröffentlichten Studie über das Verhältnis der Franzosen zur Erzeugung persönlicher Daten schätzen die Internetnutzer zunehmend den Wert der mit ihrem Profil verbundenen Informationen ein. Einige von ihnen äußern sogar den Wunsch, sich diese wieder anzueignen. Die Studie, die auf einer Stichprobe von 1 000 befragten Personen basiert, zeigt, dass:
- 45,2 % der befragten Franzosen würden die Verfolgung ihrer digitalen Daten gegen eine Vergütung akzeptieren.
- 30 % sind der Ansicht, dass ihre persönlichen Daten mit mindestens 500 € pro Jahr vergütet werden sollten.
- 93 % erklären, sich der Erfassung ihrer Daten bewusst zu sein.
- 84 % von ihnen sind besorgt.
- 46,7 % der Befragten meinen, dass dieser Umstand einen Vorteil darstellen kann.
Diese letzte Zahl zeigt sehr deutlich, dass nahezu jede zweite Person aus ihren persönlichen Daten Nutzen ziehen möchte. Sie sendet damit eher positive Signale an die Unternehmen, die sich bereits in dieser Nische positionieren.
Die Verfolgung persönlicher Daten im Internet: http://www.europarl.europa.eu/news/fr/news-room/content/20130121STO05426/html/Journ%C3%A9e-europ%C3%A9enne-de-la-protection-des-donn%C3%A9es-des-espions-sur-la-Toile
Unternehmen, die auf die Monetarisierung Ihrer persönlichen Daten spezialisiert sind
So beginnt der Gesetzgeber nach einer Zeit intensiver und grenzenloser Nutzung persönlicher Informationen, sich zugunsten der Internetnutzer zu positionieren, und Unternehmen bieten Dienste für Nutzer an, die die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen möchten. Diese jungen Firmen bieten in der Tat verschiedene Arten von Diensten an, die im Sinne einer Form der Wiederaneignung der Daten stehen. Sie laden ihre Kunden insbesondere dazu ein, zu Akteuren ihres „persönlichen Vermögens“ zu werden, indem sie einen Teil der mit der Weitergabe ihrer persönlichen Daten verbundenen Gewinne einstreichen.
So hat in den USA Datacoup, ein Marktplatz für persönliche Daten ein Geschäftsmodell entwickelt, das einerseits auf der Vergütung der Internetnutzer in Höhe von 10 Dollar pro Monat und andererseits auf dem Verkauf dieser Daten an Analyseunternehmen beruht. So gewinnt jede der Parteien. Und auch wenn dieses Modell der Monetarisierung von Informationen nicht entgegensteht, hat es das Verdienst, den Markt zu regulieren, ihn einzurahmen und den Eigentümern der besagten Informationen eine Gegenleistung zu bieten. Es hat zudem den Vorteil, eine Form von Transparenz auf einem oft als undurchsichtig bezeichneten Markt zu schaffen.
Dieses Modell fügt sich zudem in eine neue Ära ein, die die Beherrschung und Kontrolle der Daten von Beginn an aufwertet. Auf französischer Seite bietet das 2011 gegründete Unternehmen YesProfil den Internetnutzern die Möglichkeit, ihre Daten zu vermieten. Sein Gründer, Christian-François Viala, hat nämlich eine Formel ersonnen, die es den Webnutzern erlaubt, „ihre persönlichen Daten zu kontrollieren, zu schützen und direkt bei den Marken zu monetarisieren“5. Wie bei seinem amerikanischen Konkurrenten besteht die Idee hier darin, den Nutzer wieder in den Mittelpunkt des Marktes für persönliche Daten zu rücken, indem ihm geeignete Werkzeuge für deren Verwaltung angeboten werden. Das französische Unternehmen befindet sich im vollen Aufschwung und hofft, im Frühjahr 2015 die Marke von 150 000 Nutzern zu erreichen.
Die Franzosen werden sich zunehmend bewusst, dass es einen Markt für persönliche Daten gibt und welche Auswüchse damit einhergehen können. Angesichts dieser Situation befürworten 90 % eine Regulierung, um diesen stark wachsenden Markt zu regeln.
Quellen:
(3) http://pro.clubic.com/entreprises/google/actualite-611304-cnil-inflige-amende-150-000-google.html
Mit Ihrer eigenen Marke
Sehen Sie, wo KI-Engines Sie nennen
Semji verfolgt, welche Prompts Ihre Marke in ChatGPT, Google AI Overviews, Perplexity, Gemini, Claude und DeepSeek sichtbar machen — und zeigt Ihnen, welche Inhalte die Lücken schließen.
ChatGPTGoogle AI OverviewsPerplexityGeminiClaudeDeepSeek
Von
Equipe Semji


![9 unverzichtbare Elemente für Ihre internationale SEO-Strategie [+Beispiele] - Semji](/media/2022/07/MEA_STRAT_internationalisation.png)